Filmkritik: COCO – Lebendiger als das Leben

Der Dia de los Muertos, das Reich der Toten und ein Xoloitzcuintle – das klingt so gar nicht nach Pixar? Doch, jetzt schon! Mit „COCO – Lebendiger als das Leben!“ hat Pixar es wieder einmal gewagt, in eine vollkommen neue Welt einzutauchen.

Die Story

Der 12-jährige Miguel Rivera lebt mit seiner Familie in dem kleinen mexikanischen Städtchen Santa Cecilia. Miguel hat einen großen Traum: Er möchte Musiker werden, wie sein großes Vorbild die Musiklegende Ernesto de la Cruz. Doch dies dürfte gar nicht so leicht sein, denn in Miguels Familie ist Musik strengstens verboten. Vor vielen Jahren wurde Miguels Ururgroßmutter Imelda von ihrem Mann sitzengelassen, weil er auf den Bühnen der Welt seine Musikkarriere vorantreiben wollte. Grund genug für sie, jegliche Musik aus ihrem Leben und dem ihrer Familie zu verbannen. Zum Leidwesen von Miguel, denn dieses Verbot wurde über Generationen weitergetragen.

Als Miguel am Dia de los Muertos, dem Tag der Toten, heimlich an einen Talentwettbewerb teilnehmen und einen der größten Hits seines Idols aufführen möchte, passiert etwas Magisches. Auf Grund einer Aneinanderreihung von äußerst misslichen Zufällen, gerät er gemeinsam mit dem Straßenhund Dante in das Reich der Toten. Um wieder in die Welt der Lebenden zurückkehren zu können, benötigt er den Segen eines verstorbenen Familienmitglieds. Doch der Segen seiner Ururgroßmutter Imelda ist an eine Bedingung geknüpft. Miguel muss sich entscheiden: Familie oder Musik!? Doch das Reich der Toten hat noch ganz andere Überraschungen parat…

Dia de los Muertos

Für uns ist es üblich, verstorbene Angehörige mit Zurückhaltung, Stille und tiefer Trauer zu gedenken. Die Mexikaner hingegen pflegen eine sehr gegensätzliche Tradition, mit dem Tod der Angehörigen umzugehen. Sie feiern ein farbenprächtiges Fest, den Dia de los Muertos, welches alles andere als eine Trauerveranstaltung ist. Nach altmexikanischem Glauben kommen die Toten vom 31. Oktober bis 2. November zu Besuch aus dem Jenseits und feiern gemeinsam mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen mit Musik, Tanz und gutem Essen. Der Dia de los Muertos wurde 2008 sogar von der UNESCO auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Die Mexikaner haben eine besonders starke Verbundenheit zur Familie und ihren Vorfahren. Eine tiefe familiäre Bindung und Zusammenhalt gehören ebenfalls zu den höchsten Grundsätzen Pixars, weshalb es gar nicht so abwegig ist, dass dieses traditionelle und ehrfürchtige Fest als Grundlage für den 19. Pixar-Spielfilm gewählt wurde. Ganz im Gegenteil, Pixar hat es wieder einmal geschafft, einen fesselnden Kinofilm für die ganze Familie zu erschaffen.

Animationskunst der Superlative

Meiner Sprachlosigkeit hinsichtlich der fantastischen visuellen Umsetzung zum Trotz, versuche ich immerhin zu verschriftlichen, welch ein farbenprächtiges Wunderwerk mit COCO erschaffen wurde.

Pixar ist es gelungen, einen tollen Kontrast beider Welten zu skizzieren. Die Welt der Lebenden ist in wundervolle warme Erdtöne getaucht und vorwiegend tagsüber gezeigt, während das Reich der Toten eine ewige Nacht zu sein scheint, und in kunterbunten Farben versinkt. Dennoch teilen sie wichtige Charakteristika wie Farbe, Musik und Freude – den Kern der Kultur Mexikos.

Ein absoluter Meilenstein in der Animationskunst von Pixar und mein persönliches Highlight ist die Blumenbrücke. Ohne wenn und aber. Sie verbindet die Welt der Lebenden mit dem Reich der Toten. Wow! Atemberaubend! Bestehend aus tieforangen Ringelblumenblättern, ist sie nicht nur eine absolute Augenweide, auch symbolisch ist die Brücke ein Meisterwerk. So steht die Brücke nicht nur für den Schwebezustand zwischen Leben und Tot, sondern stellt mit ihren Blüten ebenfalls die Vergänglichkeit des Lebens dar. Außerdem symbolisiert die Brücke die Verbindung zur Familie, da die Ringelblumen ein großer Bestandteil der mexikanischen Kultur und vor allem des Dia de los Muertos sind. Denn dort werden sie verstreut, um den Toten den Weg zu weisen, da die Mexikaner glauben, dass Verstorbene die Farben Orange und Gelb am besten erkennen können. Die Brücke fungiert also als Wegweiser in die Welt der Lebenden.

Regisseur Lee Unkrich (Toy Story 3) und sein Team haben es geschafft, Pixar technisch und visuell in ein neues Level zu katapultieren. Man kann sich an dem Animationswunder einfach nicht satt sehen und die Farbexplosionen reißen einen völlig in den Bann. Gegen COCO ist das Holi-Festival ein reinster Witz!

Musikalische Glanzleistung

Obwohl das Musikverbot der Ururgroßmutter Imelda eine enorme Rolle in dem Film spielt, wirkt es sich glücklicherweise nicht auf den Film selbst aus. Ganz im Gegenteil, denn COCO ist einer der musikalischsten Filme der Pixar-Geschichte. Schon das Intro zaubert ein Lächeln ins Gesicht. Denn das Disney-Schloss wird nicht mit der gewohnten Titelmelodie eingeblendet, sondern wird von einer mexikanischen Version der Melodie begleitet. Einfach Zauberhaft!

Der sehr gitarrenlastige Soundtrack ist den Produzenten mindestens genau so gut gelungen wie die visuelle Umsetzung. Der Titelsong „Denk stets an mich“ (Original: „Remember me“) hat übrigens eine hundertprozentige Ohrwurmgarantie! Kein Wunder, denn er stammt vom oscargekrönten Erfolgsduo Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez („Let it go“ aus Disneys Die Eiskönigin). Hier der Titelsong des Films. Überzeugt euch selbst:

Wusstest du, dass…

COCO von den Mexikanern in den Himmel gelobt wird? Vielen Userkritiken und Berichten zufolge, sind sie begeistert von der detailgetreuen Umsetzung ihrer Kultur und der Bräuche. Selbst der Nationalhund Mexikos, ein Xoloitzcuintle (kurz Xolo), hat in Form des quirligen Hunde-Sidekicks Dante, der ein treuer Freund von Miguel ist, in COCO Platz gefunden. Laut Produzentin Darla K. Anderson hat das Pixar-Team großen Wert darauf gelegt, möglichst authentisch zu bleiben. Scheint ihnen gelungen zu sein. Aber wer hat schon etwas anderes erwartet?

Noch nie zuvor ist Pixar so tief in eine fremde Kultur eingetaucht. Es wurde eine tolle neue Welt geschaffen, auch wenn die Geschichte lange nicht so ausgetüftelt und innovativ ist, wie beispielsweise die von Alles steht Kopf. Trotz der hervorragenden bildlichen und musikalischen Umsetzung, hapert es hier und da an anderen Stellen. Die Dialoge und Charaktere könnten durchaus etwas tiefer sein. Obwohl dem Skelett Hector, ein weiterer Wegbegleiter von Miguel, ein toller, vielseitiger Charakter verpasst wurde.

Im Mittelteil des Films gab es hier und da Hänger, die mich aber dennoch nicht eine Sekunde gelangweilt haben. Außerdem hat das sehr emotionale, überragende Ende alles wieder wettgemacht. Ich muss ja zugeben, dass ich bei nahezu jedem Disney/Pixar-Streifen weinen muss, aber COCO hat mich förmlich zum Heulen gebracht. Ja, ich habe im Kino geheult. Wie ein Schlosshund! Und das hat bisher nur Toy Story 3 geschafft. Zu meinem Gefühlsausbruch trug vor allem Miguels Uroma COCO bei. Die Titelfigur, die zwar eine sehr kleine, aber bedeutsame Nebenrolle hat. Mit ihr hat nun auch Pixar eine wundervolle Granny dazugewonnen, denn Disney hat sie schon längst (Mulan, Pocahontas, Vaiana etc.).

Fazit

Mit COCO – Lebendiger als das Leben! hat Pixar ein Animationsmeistwerk geschaffen, das mit Farbenpracht, Detailverliebtheit und einem hitverdächtigem Soundtrack glänzt. Trotz der kleinen Schwächen, die sich durch den Film ziehen, ist COCO einer der besten Filme, die Pixar je produziert hat! Ich vergebe viereinhalb Mickey Mäuse.

Wirst du den Film auch im Kino gucken? Hat dir die Filmkritik gefallen? Lass mich deine Gedanken und Anregungen unter diesem Beitrag in einem Kommentar wissen. Ich freue mich darauf.

Magische Grüße,

S.

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