Filmkritik

Filmkritik: Mary Poppins’ Rückkehr

Nach 54 Jahren kehrt Mary Poppins endlich wieder auf die Kinoleinwand zurück. Mit Kirschsaftschorle und Minztee sowie Macarons und Cupcakes durfte ich mich bei einem exklusiven Screening der Walt Disney Company Germany in Kooperation mit Glossybox selbst davon überzeugen.

Story 

Es sind mittlerweile viele Jahre vergangen seit Mary Poppins die Welt der Familie Banks auf den Kopf gestellt hat. Die Kinder Jane und Michael sind bereits erwachsen und haben mit alltäglichen Problemen zu kämpfen. Besonders Michael und seine drei Kinder sind von der Weltwirtschaftskrise der 1930er und vor allem vom Verlust seiner Frau betroffen. Zu allem Übel ist die Familie Banks im Begriff, das Elternhaus im Kirschbaumweg 17 an die Bank zu verlieren. Doch Mary Poppins erscheint zur rechten Zeit, um die Familie Banks erneut mit einer gehörigen Portion Magie zu unterstützen. 

Fortsetzung? Unbedingt!

Ich bin verzaubert! Verzaubert von einem mehr als gelungenen Sequel, dessen Intro mir bereits ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Wer mich kennt, der weiß wie sehr ich die thematisch angepassten Intros von Disney liebe. Kein Wunder also, dass mich das Disney-Schloss umgeben von Londons Skyline direkt in den Bann gezogen hat.

Wer glaubt, eine Fortsetzung des Klassikers von 1964 sei keine gute Idee und nach einer grandiosen schauspielerischen Leistung von Julie Andrews kaum möglich, der täuscht sich gewaltig. Emily Blunt beweist das Gegenteil! Sie hat es geschafft, die selbstverliebte, fast schon arrogante, aber dennoch liebenswerte Art von Mary Poppins so zu verkörpern, dass man in der Fortsetzung zu keiner Sekunde das Original vermisst. Natürlich ist Julie Andrews eine Ikone in ihrer Rolle als magisches Kindermädchen und hat völlig zu Recht den Oscar in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ gewonnen. Dennoch kann ich mir keine bessere Nachfolgerin als Emily Blunt vorstellen. Mal ganz abgesehen von ihrer phänomenalen schauspielerischen Leistung und dem unglaublichen Gesang, waren ihre Kostüme umwerfend. Halleluja, was würde ich für das ein oder andere Outfit geben!

„Practically perfect in every way!“ – Mary Poppins

Ein Staraufgebot der Superlative

Emily Blunt, die sämtliche Gesangsparts von Mary Poppins persönlich interpretiert, hat an ihrer Seite eine überragende schauspielerische Unterstützung. So beeindruckt Lin-Manuel Miranda, der bereits die Filmmusik für Vaiana und Star Wars: Das Erwachen der Macht komponierte und Bekanntheit durch sein Erfolgsmusical Hamilton erlangte, als Laternenanzünder an der Seite von Emily Blunt. Gemeinsam singen und tanzen sie sich durch Porzellanwelten, fliegen hoch in die Wolken und sind zwischendurch irgendwie sogar „kopfunter“. ;) 

“Wenn die Welt kopfunter hängt, ist es die beste Idee, sich einfach mit ihr umzudrehen.” – Mary Poppins

„Kopfunter“ ist im Übrigen neben der Porzellanwelt eine der stärksten Szenen des Films, nicht zuletzt wegen der beachtlichen Leistung der mittlerweile 69-jährigen Meryl Streep als Cousine Topsy. Ebenfalls umgehauen hat mich wieder einmal der talentierte Ben Whishaw (Das Parfum). Selten habe ich mit einer Rolle so mitgefühlt wie mit der des Michael Banks. Etwas untergegangen ist dahingegen leider Colin Firth (Tatsächlich… LiebeBridget Jones) in seiner Rolle als hinterhältiger Bankdirektor William ‘Weatherall’ Wilkins. Zu flach, zu vorhersehbar, zu nebensächlich. Sehr Schade! Dafür ist der Gastauftritt des 93-jährigen Dick Van Dyke, der bereits bei Mary Poppins den Bert und den Bankdirektor gespielt hat, eine gelungene Überraschung.

Von Firlefanz und magischer Musik 

Die Filmmusik von Mary Poppins’ Rückkehr ist ebenso wie die Besetzung einfach zauberhaft! Und auch wenn die Lieder von Marc Shaiman emotional unter die Haut gehen, zum Mitschwingen animieren und durch und durch in diesen fabelhaften, kunterbunten Film passen, fehlt ihnen leider der Ohrwurmcharakter, den der Klassiker im Überfluss hatte. Wer kennt sie nicht, die Melodien von „Ein Löffelchen voll Zucker“, „Chim-Chim-Cheree“ und natürlich „Superkalifragilistigexpialigetisch“? Die Sherman Brothers haben bei Mary Poppins allerbeste Arbeit geleistet, die absolut gerechtfertigt mit dem Oscar in der Kategorie „Beste Filmmusik“ honoriert wurde. Nichtsdestotrotz macht der Soundtrack von Mary Poppins’ Rückkehrsowie die Musicalszenen unglaublich Spaß und treffen direkt ins Herz. Allem voran der herzzerreißende Titel „Das was ihr vermisst“. 

„Wenn Du denkst, Du hast etwas oder jemanden verloren, den Du liebst, dann halte Dir vor Augen: Nichts geht je verlor’n und nichts ist je ganz fort, es geht nur etwas weiter, wechselt nur den Ort.” – Mary Poppins

Emotionale Momente in musikalischer Hinsicht werden außerdem durch den Einsatz der Melodien des Klassikers von 1964 hervorgerufen – jede einzelne der Szenen, in denen die alten Lieder aufgegriffen werden, zaubert ein Lächeln ins Gesicht und Gänsehaut auf die Arme.

Was nicht unerwähnt bleiben darf ist, dass die Tanz- und Gesangskünste der Haupt- und Nebendarsteller in der Originalfassung beachtlich sind! Schade, dass der Charme des britischen Gesangs der Künstler in der synchronisierten Version natürlich gänzlich untergeht. Das tut der deutschen Version jedoch kaum einen Abbruch. Die Musicalszenen beeindrucken dennoch dank der wundervollen Choreographien und der Tanzleistungen des Casts.

„Firlefanz – das bedeutet Tanz!“ – Jack, der Laternenanzünder

Fazit: Practically perfect in (almost) every way!

Mit Mary Poppins wurde 1964 etwas völlig Neues geschaffen. Der Mix aus Realverfilmung, Trickfilm und Musical hat nicht nur das Publikum begeistert, sondern wurde auch mit fünf Oscars und dreizehn Nominierungen belohnt. Mit sehr viel Liebe zum Detail und harter Arbeit, u. a. von Walt Disney höchstpersönlich (für Hintergrundinfos solltest du unbedingt Saving Mr. Banks schauen – siehe Filmkritik), hat man Neuland in jederlei Hinsicht betreten. Das Neuland blieb bei Mary Poppins’ Rückkehr aus, da man sich optisch und inhaltlich natürlich am Klassiker orientierte. Man sollte von vornherein vermeiden, die Fortsetzung mit dem Original zu vergleichen und ihn als eigenständigen Film betrachten – die Geschichte, die atemberaubenden Sets und die schauspielerische Leistung des überragenden Casts haben es verdient! Dann ist das Werk von Rob Marshall (ChicagoPirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten) ein absolut gelungener Familienfilm, der sowohl jung als auch alt und vor allem nicht nur Disney-Fans begeistern dürfte. Neben einigen wenigen Schwächen, hat er umso mehr grandiose Momente, die Mary Poppins’ Rückkehr zu einem neuen Meisterwerk unter Disneys Realverfilmungen macht. Und wer weiß, vielleicht wird auch er mit dem Goldjungen ausgezeichnet. Zumindest Emily Blunt hätte es mehr als verdient!

“Absolut alles ist möglich. Selbst das Unmögliche.” – Mary Poppins

Ich vergebe 4 von 5 Mickey Mäusen.

Ab ins Kino solange er noch vorgeführt wird! Überzeuge dich selbst von dem Meisterwerk und lass mich unbedingt in den Kommentaren wissen, was du von Disneys Mary Poppins’ Rückkehr hältst.

Disney Deutschland hat mich zu dem Mary Poppins-Event mit anschließender Filmvorführung eingeladen, ich wurde für den Beitrag nicht bezahlt. Er entspricht ausschließlich meiner Meinung.

Bildrechte: Disney

Filmkritik: COCO – Lebendiger als das Leben

Der Dia de los Muertos, das Reich der Toten und ein Xoloitzcuintle – das klingt so gar nicht nach Pixar? Doch, jetzt schon! Mit „COCO – Lebendiger als das Leben!“ hat Pixar es wieder einmal gewagt, in eine vollkommen neue Welt einzutauchen.

Die Story

Der 12-jährige Miguel Rivera lebt mit seiner Familie in dem kleinen mexikanischen Städtchen Santa Cecilia. Miguel hat einen großen Traum: Er möchte Musiker werden, wie sein großes Vorbild die Musiklegende Ernesto de la Cruz. Doch dies dürfte gar nicht so leicht sein, denn in Miguels Familie ist Musik strengstens verboten. Vor vielen Jahren wurde Miguels Ururgroßmutter Imelda von ihrem Mann sitzengelassen, weil er auf den Bühnen der Welt seine Musikkarriere vorantreiben wollte. Grund genug für sie, jegliche Musik aus ihrem Leben und dem ihrer Familie zu verbannen. Zum Leidwesen von Miguel, denn dieses Verbot wurde über Generationen weitergetragen.

Als Miguel am Dia de los Muertos, dem Tag der Toten, heimlich an einen Talentwettbewerb teilnehmen und einen der größten Hits seines Idols aufführen möchte, passiert etwas Magisches. Auf Grund einer Aneinanderreihung von äußerst misslichen Zufällen, gerät er gemeinsam mit dem Straßenhund Dante in das Reich der Toten. Um wieder in die Welt der Lebenden zurückkehren zu können, benötigt er den Segen eines verstorbenen Familienmitglieds. Doch der Segen seiner Ururgroßmutter Imelda ist an eine Bedingung geknüpft. Miguel muss sich entscheiden: Familie oder Musik!? Doch das Reich der Toten hat noch ganz andere Überraschungen parat…

Dia de los Muertos

Für uns ist es üblich, verstorbene Angehörige mit Zurückhaltung, Stille und tiefer Trauer zu gedenken. Die Mexikaner hingegen pflegen eine sehr gegensätzliche Tradition, mit dem Tod der Angehörigen umzugehen. Sie feiern ein farbenprächtiges Fest, den Dia de los Muertos, welches alles andere als eine Trauerveranstaltung ist. Nach altmexikanischem Glauben kommen die Toten vom 31. Oktober bis 2. November zu Besuch aus dem Jenseits und feiern gemeinsam mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen mit Musik, Tanz und gutem Essen. Der Dia de los Muertos wurde 2008 sogar von der UNESCO auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Die Mexikaner haben eine besonders starke Verbundenheit zur Familie und ihren Vorfahren. Eine tiefe familiäre Bindung und Zusammenhalt gehören ebenfalls zu den höchsten Grundsätzen Pixars, weshalb es gar nicht so abwegig ist, dass dieses traditionelle und ehrfürchtige Fest als Grundlage für den 19. Pixar-Spielfilm gewählt wurde. Ganz im Gegenteil, Pixar hat es wieder einmal geschafft, einen fesselnden Kinofilm für die ganze Familie zu erschaffen.

Animationskunst der Superlative

Meiner Sprachlosigkeit hinsichtlich der fantastischen visuellen Umsetzung zum Trotz, versuche ich immerhin zu verschriftlichen, welch ein farbenprächtiges Wunderwerk mit COCO erschaffen wurde.

Pixar ist es gelungen, einen tollen Kontrast beider Welten zu skizzieren. Die Welt der Lebenden ist in wundervolle warme Erdtöne getaucht und vorwiegend tagsüber gezeigt, während das Reich der Toten eine ewige Nacht zu sein scheint, und in kunterbunten Farben versinkt. Dennoch teilen sie wichtige Charakteristika wie Farbe, Musik und Freude – den Kern der Kultur Mexikos.

Ein absoluter Meilenstein in der Animationskunst von Pixar und mein persönliches Highlight ist die Blumenbrücke. Ohne wenn und aber. Sie verbindet die Welt der Lebenden mit dem Reich der Toten. Wow! Atemberaubend! Bestehend aus tieforangen Ringelblumenblättern, ist sie nicht nur eine absolute Augenweide, auch symbolisch ist die Brücke ein Meisterwerk. So steht die Brücke nicht nur für den Schwebezustand zwischen Leben und Tot, sondern stellt mit ihren Blüten ebenfalls die Vergänglichkeit des Lebens dar. Außerdem symbolisiert die Brücke die Verbindung zur Familie, da die Ringelblumen ein großer Bestandteil der mexikanischen Kultur und vor allem des Dia de los Muertos sind. Denn dort werden sie verstreut, um den Toten den Weg zu weisen, da die Mexikaner glauben, dass Verstorbene die Farben Orange und Gelb am besten erkennen können. Die Brücke fungiert also als Wegweiser in die Welt der Lebenden.

Regisseur Lee Unkrich (Toy Story 3) und sein Team haben es geschafft, Pixar technisch und visuell in ein neues Level zu katapultieren. Man kann sich an dem Animationswunder einfach nicht satt sehen und die Farbexplosionen reißen einen völlig in den Bann. Gegen COCO ist das Holi-Festival ein reinster Witz!

Musikalische Glanzleistung

Obwohl das Musikverbot der Ururgroßmutter Imelda eine enorme Rolle in dem Film spielt, wirkt es sich glücklicherweise nicht auf den Film selbst aus. Ganz im Gegenteil, denn COCO ist einer der musikalischsten Filme der Pixar-Geschichte. Schon das Intro zaubert ein Lächeln ins Gesicht. Denn das Disney-Schloss wird nicht mit der gewohnten Titelmelodie eingeblendet, sondern wird von einer mexikanischen Version der Melodie begleitet. Einfach Zauberhaft!

Der sehr gitarrenlastige Soundtrack ist den Produzenten mindestens genau so gut gelungen wie die visuelle Umsetzung. Der Titelsong „Denk stets an mich“ (Original: „Remember me“) hat übrigens eine hundertprozentige Ohrwurmgarantie! Kein Wunder, denn er stammt vom oscargekrönten Erfolgsduo Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez („Let it go“ aus Disneys Die Eiskönigin). Hier der Titelsong des Films. Überzeugt euch selbst:

Wusstest du, dass…

COCO von den Mexikanern in den Himmel gelobt wird? Vielen Userkritiken und Berichten zufolge, sind sie begeistert von der detailgetreuen Umsetzung ihrer Kultur und der Bräuche. Selbst der Nationalhund Mexikos, ein Xoloitzcuintle (kurz Xolo), hat in Form des quirligen Hunde-Sidekicks Dante, der ein treuer Freund von Miguel ist, in COCO Platz gefunden. Laut Produzentin Darla K. Anderson hat das Pixar-Team großen Wert darauf gelegt, möglichst authentisch zu bleiben. Scheint ihnen gelungen zu sein. Aber wer hat schon etwas anderes erwartet?

Noch nie zuvor ist Pixar so tief in eine fremde Kultur eingetaucht. Es wurde eine tolle neue Welt geschaffen, auch wenn die Geschichte lange nicht so ausgetüftelt und innovativ ist, wie beispielsweise die von Alles steht Kopf. Trotz der hervorragenden bildlichen und musikalischen Umsetzung, hapert es hier und da an anderen Stellen. Die Dialoge und Charaktere könnten durchaus etwas tiefer sein. Obwohl dem Skelett Hector, ein weiterer Wegbegleiter von Miguel, ein toller, vielseitiger Charakter verpasst wurde.

Im Mittelteil des Films gab es hier und da Hänger, die mich aber dennoch nicht eine Sekunde gelangweilt haben. Außerdem hat das sehr emotionale, überragende Ende alles wieder wettgemacht. Ich muss ja zugeben, dass ich bei nahezu jedem Disney/Pixar-Streifen weinen muss, aber COCO hat mich förmlich zum Heulen gebracht. Ja, ich habe im Kino geheult. Wie ein Schlosshund! Und das hat bisher nur Toy Story 3 geschafft. Zu meinem Gefühlsausbruch trug vor allem Miguels Uroma COCO bei. Die Titelfigur, die zwar eine sehr kleine, aber bedeutsame Nebenrolle hat. Mit ihr hat nun auch Pixar eine wundervolle Granny dazugewonnen, denn Disney hat sie schon längst (Mulan, Pocahontas, Vaiana etc.).

Fazit

Mit COCO – Lebendiger als das Leben! hat Pixar ein Animationsmeistwerk geschaffen, das mit Farbenpracht, Detailverliebtheit und einem hitverdächtigem Soundtrack glänzt. Trotz der kleinen Schwächen, die sich durch den Film ziehen, ist COCO einer der besten Filme, die Pixar je produziert hat! Ich vergebe viereinhalb Mickey Mäuse.

Wirst du den Film auch im Kino gucken? Hat dir die Filmkritik gefallen? Lass mich deine Gedanken und Anregungen unter diesem Beitrag in einem Kommentar wissen. Ich freue mich darauf.

Magische Grüße,

S.

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Filmkritik: Cars 3 – Evolution

Firmenchef und Genie John Lasseter (alias Pixar-Gott) hat 2006 mit Cars und dem Protagonisten Lightning McQueen eine Figur geschaffen, die längst nicht mehr aus dem Disney-Pixar-Universum wegzudenken ist. Ganz im Gegenteil – neben Woody, Rémy und Nemo ist er fester Bestandteil unserer Filmabende mit Pizza, Popcorn, Eis und allem, was zu einem echten Pixar-Abend dazu gehört.

Hintergrund

Lightning McQueen ist ein leicht überhebliches Rennauto, das im ersten Teil in dem Kaff Radiator Springs auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird. Mit Witz, seinem Naturtalent auf der Piste und nicht zuletzt wegen seines absolut coolen Aussehens, erobert er in Windeseile die Herzen kleiner Jungen. Wer denkt, die Eiskönigin sei der absolute Spitzenreiter in Sachen Merchandise, hat noch nicht all die roten Regale in sämtlichen Disney Stores gesehen. Vom klassischen Spielzeug über Kleidung bis zur Bettwäsche – es gibt nichts, das McQueen und die legendäre Nummer 95 nicht ziert. War also zu erwarten, dass es mindestens ein Sequel geben wird. 2011 kam dann, erneut unter Regie von John Lasseter, Cars 2 in die Kinos. Diesmal ist McQueen Teil einer Agentenstory – eine eher ernüchternde und wenig sinnvolle Fortsetzung. Umso gespannter war ich auf Cars 3: Evolution, der am 28. September 2017 in die Kinos kommt.

cars-3_beachEins sei gesagt – schon die Eröffnungsszene ließ mich strahlen! Nach kurzer Überlegung, ob ich im richtigen Film sitze und nicht etwa bei einem weiteren der niemals enden wollenden Fortsetzungen von Fast And The Furious, hat mich der Anfang des Films direkt gecatcht. ;)

Lightning McQueen ist nun 10 Jahre nach seinem ersten Rennen ein in die Jahre gekommener Flitzer. Besonders die jungen, schnittigen Konkurrenten machen ihm bewusst, dass er an sich und seinen Trainingsmethoden arbeiten muss, um mit ihnen mithalten zu können. Besonders Jackson Storm, der neue Stern am Rennfahrerhimmel, lässt ihn auf der Piste alt aussehen. Aber mit Hilfe seiner neuen Rust-eze-Trainerin Cruz Ramirez versucht er sowohl hochmoderne als auch altbewehrte Trainingsmethoden, um seine jungen Mitstreiter abzuhängen. Denn sollte er es nicht schaffen beim International Super Speedway in Florida zu gewinnen, muss er nicht nur seine Pole-Position im Rennsport abgeben, sondern wird – fast noch schlimmer – ausschließlich als Werbegesicht für Rostschutzmittel und anderen Schnickschnack enden…

Kritik

Zurück zu den Wurzeln – zurück zu Cars! Der dritte Teil der Erfolgsreihe knüpft an den Anfängen des beliebten roten Flitzers an und lässt den zweiten Teil vollkommen außen vor. Zu Recht! Es stehen – wie beim Klassiker – Freundschaft, Ehrgeiz und die Leidenschaft zum Rennsport im Vordergrund. Natürlich, der Plot ist ein alter Schuh – ein in die Jahre gekommener Sportler will es noch mal wissen und kehrt zurück ins Rampenlicht (siehe z. B. Rocky Balboa). Nichts, was man nicht schon einmal gesehen hätte. Aber Pixar wäre nicht Pixar, wenn sie nicht etwas Wundervolles daraus zaubern würden.

Zugegeben, es hat hier und da ein wenig an Witz gefehlt. Und auch der Mittelteil des Films hat sich etwas gezogen und hätte zweifelsohne etwas spannender gestaltet werden können. Aber das tut dem Film kaum einen Abbruch.

Nicht nur die tollen Charaktere tragen dazu bei, dass der Film wirklich sehenswert geworden ist. Lightning McQueens innerer Kampf, ob er seine Leidenschaft an den Nagel hängen oder doch noch mal seinen Kampfgeist wecken sollte, ist schon wieder so menschlich, wie man Autos eben nur vermenschlichen kann. ;) Vor allem aber hat das Cars-Universum mit Cruz Ramirez einen tollen und liebenswerten Charakter dazugewonnen.

Fast überflüssig zu erwähnen, dass die Landschaften mal wieder sagenhaft umgesetzt wurden. Wow! Wirklich! Es ist faszinierend wie photorealistisch dieser Teil umgesetzt wurde. Ein dreifaches Hoch auf die fortgeschrittene Technik und die einwandfreie Umsecars-3_crashtzung von Pixar. (Was allerdings auch kein Wunder ist, bei einem Produktionsbudget von 175 Millonen Dollar). Allein dafür lohnt es sich schon, Cars 3 zu gucken.

Fazit

Mit Cars 3: Evolution ist Brian Fee ein hervorragendes Regiedebüt gelungen. Er ist den goldrichtigen Weg gegangen, die Finger von der Agentenstory zu lassen und stattdessen Lightning McQueen und die Autorennen wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Er hat es geschafft, dem dritten Teil den Charme des Klassikers zurückzugeben. Cars 3 ist mit Abstand der reifste Teil der Trilogie und dennoch ein Film sowohl für die ganz kleinen als auch die erwachsenen Cars-Fans

Und ja, auch bei diesem Film habe ich es geschafft am Ende ein paar Tränen zu verdrücken. Natürlich! Aber was soll ich sagen – Pixar halt. ;)

Auch wenn der Film ein paar Ecken und Kanten hat, die ihn sicherlich nicht perfekt machen und er auch gewiss kein detailliertes Meisterwerk wie Toy Story (1995), Ratatouille (2007) oder Alles steht Kopf (2015) ist, ist er eine sehr gelungene Fortsetzung, die von mir in jedem Fall dreieinhalb von fünf Mickeys verdient. Yaaay!

3-5

Schaut ihn euch an, lasst euch von dem neuen Tempo in den Sog ziehen und lasst mich vor allem wissen, wie ihr ihn findet. :)

Liebst,

S.

 

Filmkritik: Inside Out – Alles steht Kopf

Pixar ist zurück! Mit dem 15. Pixar-Film „Alles steht Kopf“ beweist Regisseur Pete Docter erneut sein Händchen für Humor, für herzergreifende Plots und nicht zuletzt für innovative und noch nie da gewesene Ideen. Bereits in Filmen wie „Toy Story“, „Monster AG“, „Wall-E“ und „Oben“ stellte er seine Kreativität unter Beweis. „Alles steht Kopf“ reiht sich nun in die Meisterwerke des kreativen Kopfes ein.

„Alles steht Kopf“ handelt von dem 11-jährigen Mädchen Riley, das mit ihren Eltern auf Grund eines Jobwechsels ihres Papas vom ländlichen Minnesota an die Westküste nach San Francisco zieht. Sie wird aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen, lässt Freunde und ihr Eishockey-Team hinter sich und muss sich nun in einer Großstadt zurechtfinden. Dass die Gefühlswelt eines jungen Mädchens darunter leidet ist vorprogrammiert. Überwog bei Riley als Kind noch die Freude, herrscht nun ein absolutes Gefühlschaos in ihrem Innern.

Die Gefühlswelt wird in einer Art Kommandozentrale von den fünf Gefühlskobolden und Hauptcharakteren Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel gesteuert. Kapitän der Kommandobrücke ist Freude, die nahezu durchgängig für gute Laune des Mädchens sorgt. Nicht nur die Änderungen in Rileys Leben sorgen dafür, dass immer häufiger die eher negativen Gefühle an den Schaltknüppel gelangen. Auch der Umstand, dass Freude und Kummer auf Grund eines Missgeschicks aus der Kommandozentrale verschwinden, trägt dazu bei, dass die Emotionen der kleinen Riley vollkommen aus dem Ruder geraten.

Umso wichtiger ist es, dass die quirlige und immer tänzelnde Freude mit Hilfe ihrer dauerhaft traurigen aber dennoch urkomischen Wegbegleiterin Kummer auf schnellstem Wege zurück in die Kommandozentrale gelangt, um das seelische Gleichgewicht wieder herzustellen. Freude und Kummer erkunden während ihrer gefährlichen Reise durch die unendlichen Labyrinthe des Langzeitgedächtnisses ebenfalls das Unterbewusstsein, das Fantasieland, den Friedhof der Erinnerungen, die Verliese der tiefsten Ängste und ihre Traumfabrik. Auf der Suche nach dem Weg zurück in die Zentrale begegnen sie außerdem Rileys bereits längst vergessenen imaginären Freund Bing Bong, welcher sich als mehr oder weniger hilfreicher Wegbegleiter für die beiden herausstellt.

Auf dem Weg durch die fantastische und kunterbunte Gedankenwelt der Elfjährigen, welche in etwa ein Drittel des Films ausmacht, wird einem bewusst, dass Pete Docter mit „Alles steht Kopf“ wieder einmal einen Kinderfilm für Erwachsene geschaffen hat. Er führt die Zuschauer durch eine unfassbar komplexe Welt, welche selbst einen Gedankenzug, Tagträume, Ohrwürmer und Déjà-vus beinhaltet. Erinnerungen werden in Form von bunten Kugeln dargestellt, endlose Regalreihen dienen zur Speicherung der Erinnerungen ins Langzeitgedächtnis und Röhrensysteme transportieren all diese Erinnerungen.

Es ist mir unbegreiflich, wie es einem derart gut gelingen kann, etwas so abstraktes wie die Gedanken- und Gefühlswelt eines Kindes zu visualisieren und dabei mit so viel Humor auszustatten, dass selbst der zweifelndste Kinobesucher – behaupte ich – lachen muss. Ich selbst habe selten bei einem Pixar oder Disney-Film so sehr und vor allem laut lachen müssen! Meine armen Sitznachbarn…

Anfangs war ich noch etwas genervt von Kummer und ihrer unbeholfenen und sehr trägen Art und vor allem davon, dass sie Dinge tut, die ihr zum Wohle Rileys strengsten untersagt sind. Im Laufe des Films stellt sich das blaue Wesen jedoch als heimlicher Star heraus, der komischer und liebevoller kaum sein könnte. Was mich leider ebenfalls etwas ungeduldig gemacht hat, sind die etlichen Male, die Freude und Kummer scheitern, um in die Kommandozentrale zurück zu gelangen. Man hätte den Film durchaus um den einen oder anderen Versuch reduzieren können.

Letztlich finde ich trotz der kleinen Mängel, dass „Alles steht Kopf“ ein grandioses und einzigartiges Meisterwerk ist! Vor allem die Charaktere der Gefühlskobolde überzeugen mit Lebendigkeit, Witz und Persönlichkeit und bringen die Zuschauer vor lauter Einfallsreichtum zum Staunen. Nicht nur Jung wird auf Grund der so farbenprächtigen Bilder und der Vielzahl einzigartiger Figuren angesprochen. Besonders für „Alt“ wurde ein Film geschaffen, der mit ausgetüfteltem Humor und den so unglaublich visualisierten Zusammenhängen der Psyche überzeugen kann. Und am Ende lernen wir alle, dass für ein seelisches Gleichgewicht neben der geliebten Freude eben auch Kummer, Angst, Wut und Ekel bestehen müssen. Und ohne die so anstrengenden Gefühle wäre doch die Freude gar nichts wert!

Auch wenn ich auf Grund des Disney-Bluts, das durch meine Venen fließt, befangen und vermutlich nicht in der Lage bin, den Film zu 100 % objektiv zu beurteilen, hoffe ich, dass sich meine Kritik mit eurer Meinung deckt. Lasst mich wissen, was ihr von dem Film haltet. Ich jedenfalls vergebe fünf von fünf Mickeys für diesen hervorragenden Film!5

Und Übrigens: Der Pixar-Kurzfilm „Lava“, welcher vor dem Hauptfilm gespielt wird, ist ebenfalls ein kleines Meisterwerk – aber das ist wortwörtlich eine andere Geschichte.

Habt ganz viel Freude… oder Kummer… oder was auch immer bei „Alles steht Kopf“! :)

S.

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