toy story 4

Filmkritik: A Toy Story – Alles hört auf kein Kommando

Haltet euch fest, schnallt euch an oder lasst euch einfach nur fallen… denn es wartet ein rasanter Roadtrip auf euch, der wahnsinnige Charaktere, unschlagbare Gags und eine tiefgründige Story bereithält. Leute, ich bin hin und weg!

Die Erfolgsgeschichte der Pixar Animation Studios begann 1995 mit einer einfachen aber ebenso brillanten Idee: Was macht eigentlich unser geliebtes Spielzeug in Abwesenheit der Menschen? Mit Toy Story wurde ein Animationsfilm erschaffen, der mit Hilfe der einzigartigen Geschichte und der liebenswerten Charaktere sowohl Kinder als auch Erwachsene gleichermaßen fesselt. Kein Wunder also, dass es die Fans waren, die nach Fortsetzungen schrien und dass Pixar dem Begehren der Fans folgte. Ganze neun Jahre mussten wir ausharren – zwei Jahre länger als ursprünglich geplant – bis der vierte und vorerst letzte Teil A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando seinen Weg in die Kinos fand. 

Die Story

Woody (Tom Hanks/Michael „Bully“ Herbig) und seine Freunde genießen die neuen Vorzüge in Bonnies Kinderzimmer. Sie sind wieder in den Mittelpunkt eines Kindes gerutscht und leben tagein tagaus das perfekte Leben eines Spielzeugs. Woodys höchste Priorität war es schon immer, für das Wohlergehen seines Kindes zu sorgen, ob für Andy oder Bonnie… Als eines Tages ein aus Müll, Resten und aus einem Göffel gebasteltes „Spielzeug“ namens Forky seinen Weg in Bonnies Kinderzimmer findet, aber dank einer ausgereiften Identitätskrise viel lieber wieder zurück in die Mülltonne möchte, fühlt Woody sich berufen, Forky vom Leben als Spielzeug zu überzeugen. Doch das ist nicht Woodys einzige Herausforderung. Auf einem Familien-Roadtrip wird er mit seiner größten Angst konfrontiert: Die Angst davor, kein Kind zu haben und ein verlorenes Spielzeug zu sein. Besonders das Wiedersehen mit Porzellinchen (Annie Potts/Alexandra Ludwigs), die in den vergangenen Jahren zu einem starken, selbstbestimmten Spielzeug geworden ist, spielt eine große Rolle bei seiner Angstbewältigung. Doch auch wenn die beiden ein Leben als Spielzeug vollkommen gegensätzlich betrachten, haben sie eines gemeinsam: Eine spannende Mission, die sie nur miteinander bestreiten können!

„Being there for a child is the most noble thing a toy can do“ – Woody, Toy Story 4

Um ehrlich zu sein, hatte ich große Angst das Regiedebüt von Josh Cooley zu schauen. Denn mit Toy Story 3 wurde die Messlatte bereits so hoch gesetzt, dass ich mir nicht hätte erträumen können, dass der vierte Teil auch nur ansatzweise dieses Level erreichen könnte. Doch die Angst wurde mir schon in den ersten Sekunden genommen. Ich wurde direkt in den Toy Story-Bann gezogen und bis zur letzten Minute nicht mehr losgelassen! Ich entwickelte plötzlich eine ganz andere Angst – die Angst davor, dass der Film endet. Denn das würde wiederum bedeuten, dass er wirklich endet! (Wie weise!) Und mit ihm, würde eine komplette Ära enden. Für immer und ewig. Panik! 

Wiederholungstäter: Ein Meisterwerk der Animation

Immer wenn man davon ausgeht, dass bereits der Höhepunkt der Animationskünste erreicht wurde, haut Pixar einen neuen Film raus, der alles toppt, was man bisher gesehen hat. A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando ist ein Meisterwerk der Animation! (Auch wenn der Titel echt nicht hätte sein müssen! Warum nicht einfach der Originaltitel Toy Story 4, hm?) Ich bin noch immer sprachlos, wie lebensecht und plastisch der vierte Streich der Toy Story-Reihe umgesetzt wurde. Vom animierten Wasser zu Beginn des Films, bis hin zur Beschaffenheit und Textur der einzelnen Figuren. Wow! Das macht es mir nun noch schwerer abzugrenzen, ob Spielzeug wirklich lebt oder ob es lediglich eine von Pixar ausgedachte Geschichte ist. ;)

Forky ©2019 Disney/Pixar

Emotionschaos pur!

Pixar schafft es zudem immer und immer wieder, tiefste Emotionen in einem zu wecken, ohne dass man auch nur irgendetwas dagegen unternehmen kann. Bei kaum einem Film muss ich so stark und wie auf Knopfdruck schluchzen wie bei COCO – Lebendiger als das Leben und bei Toy Story 3. Die Messlatte wurde sehr hoch gelegt. Aber eines steht fest, A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando reiht sich nun mit ein. Was für ein emotionaler, gar herzzerreißender Film! Das Ende toppt alles, was Pixar bisher geschaffen hat. Mein Toy Story-Herz ist beim vierten Streich der Reihe mit unendlich viel Glück, Freude und ganz tiefer Liebe, zeitgleich aber auch mit großer Trauer gefüllt. Tom Hanks hatte völlig recht damit, dass die Schlussszene „a moment in history“ ist. Dieses Finale schreibt wahrlich Filmgeschichte! Und auch Tim Allen beschreibt die komplette Story als unglaublich emotional. Mein Tipp: Dringend Taschentücher mitnehmen!

Das Emotionschaos hat mich durchgehend übermannt! Denn außer der emotionalen Szenen hat A Toy Story noch viel mehr zu bieten: Einen unschlagbaren Humor. Ich würde mich sogar so weit aus dem Fenster lehnen, dass A Toy Story (direkt gefolgt von Toy Story 3) der mit Abstand lustigste Teil der Filmreihe ist. Ein Gag ist besser als der andere. Trocken. On point. Für Pixar-Verhältnisse sogar recht derb. Genau wie ich es liebe! Kaum vorstellbar, dass ich neben all der Freudentränen und Tränen der “Trauer” mehrfach vor Schreck aufschreien musste. Was heißt Schreck? Man kann es fast schon Angst nennen! Die neuen Charaktere in allen Ehren, aber der Gruselfaktor der 50er-Jahre-Puppe Gabby Gabby und ihrer Bauchrednerpuppen-Kumpels „The Bensons“ macht mich fix und fertig. 

Charaktere zum Verlieben

Für Toy Story 4 haben der Regisseur Josh Cooley, der Drehbuchautor Andrew Stanton und co. kräftig in die Trickkiste gegriffen und unglaublich ausgefeilte Charaktere gezaubert. Was ist Porzellinchen bitte für ein wahnsinnig gelungener Charakter? Eine dermaßen selbstbewusste, starke, gar inspirierende Frau, die sich ohne Kind durchs Leben boxt und selbstbestimmter kaum sein könnte. Sie ist schon jetzt einer meiner Lieblingscharaktere für immer und immer und immer und ewig! Chapeaux, Pixar! Ich bevorzuge übrigens so sehr ihren originalen Namen „Bo Peep“, nicht zuletzt, weil einer meiner Spitznamen Bo ist. ;) Aber auch Duke Caboom (Keanu Reeves/Michi Beck), ein kanadischer Stuntman, der unaufhörlich sein Können zeigt, oder das Duo Ducky und Bunny, die eine wirklich bedenkliche Psyche haben, oder auch Forke, der der heimliche Star des Filmes ist, werden ganz sicher zu Favoriten des Ein oder Anderen avancieren. 

„Be who you are right now“ – Bo Peep, Toy Story 4

Bo Peep ©2019 Disney/Pixar

Und trotz der tiefen Liebe, die ich schon jetzt für A Toy Story hege, muss ich gestehen, dass ich mich dennoch unglaublich schwer damit tue, dass auf den Fußsohlen der Toys – allen voran Woody und Buzz (Tim Allen/Walt van Hauff) – nun „Bonnie“ und nicht mehr „Andy“ geschrieben steht. Autsch!  Den Stich in meinem Herzen spüre ich dauerhaft. Unaufhörlich. Aber Josh Cooley sagte in einem Interview, dass es zwar Woodys Ende mit Andy sei, aber dass jedes Ende auch ein neuer Beginn bedeute. Woodys Beginn mit einem neuen Kind, in einem neuen Kinderzimmer, mit neuem Spielzeug… Und zack, mir kommen direkt wieder die Tränen!

Buzz zu Woody: “Die Mission Andy ist beendet. […] Jetzt geht es nur noch darum, dass wir zusammen bleiben.“ – Toy Story 3

Fazit

A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando ist ein Komplettpaket: Auf Grund der emotionalen Ebene, der tiefen und gänzlich neuen Story, der grandiosen Charaktere und vor allem der überragenden Animation ist er einer der besten Filme der gesamten Reihe. Einer der besten Pixarfilme überhaupt!

Und obwohl ich von Beginn an ein eingefleischter Toy Story-Fan bin, vertrete ich die Meinung, dass es keinen vierten Teil hätte geben müssen. Die Trilogie war stimmig, das Ende war besser als man es sich hätte vorstellen können. Dennoch möchte ich betonen, dass ich den vierten Teil keinesfalls mehr missen möchte. Ganz im Gegenteil: Ich würde ihm tatsächlich die volle Punktzahl geben. Aber da der dritte Teil ebenfalls ein toller Abschluss gewesen wäre, vergebe ich viereinhalb Mäuse für Pixars 21. Meisterwerk.

Toy Story 4 ©2019 Disney/Pixar

Ab 15. August 2019 kommt A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando endlich in die deutschen Kinos (aber nicht wundern: Er ist neben Toy Story und COCO der dritte Pixar-Film, der ohne Kurzfilm gespielt wird). A Toy Story ist ein Muss für jeden Toy Story-Fan, ein Muss für jeden Disney•Pixar-Fan, ein Muss für einfach jeden! Ab ins Kino und überzeuge dich selbst.

„Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter.“ – Captain Buzz Lightyear, Toy Story

Wo sind die Toy Story-Fans unter euch? Freut ihr euch auf den vierten Teil? Wie fandet ihr ihn? Lasst es mich liebend gern in den Kommentaren wissen.

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